Schleichende Alkoholabhängigkeit


Frühes Eingreifen erforderlich
Schleichende Alkoholabhängigkeit

Der Abstieg in die Alkoholabhängigkeit ist ein schleichender Prozess. Wenden sich die Betroffenen an den Arzt, ist es meist schon zu spät. Experten sensibilisieren für die Symptome und ermutigen zu einem frühen Eingreifen.

Zu Beginn einer Alkoholabhängigkeit häufen sich Symptome wie Gereiztheit und Nervosität. Gedanken an den Suchtstoff wechseln sich mit Schuldgefühlen ab. Zugleich verlieren alle Aktivitäten, die sich nicht mit Alkoholkonsum vereinbaren lassen, an Attraktivität. Im fortgeschrittenen Stadium bestimmt der Alkohol schließlich den ganzen Alltag. „Das Belohnungssystem ist dann auf alles konditioniert, was mit Alkohol in Zusammenhang steht, beeinflusst die subjektive Wahrnehmung und filtert gnadenlos alle Informationen heraus, die nichts mit Alkoholkonsum zu tun haben“, berichtet Dr. Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). In diesem Stadium gestaltet sich eine Therapie äußerst schwer.

Betroffene nehmen zu spät Hilfsangebote in Anspruch 

„Menschen mit Alkoholproblemen suchen oft über lange Zeit keine Hilfsangebote auf“, berichtet Dr. Kiefer. Oft warten die Betroffenen so lange, bis persönliche und gesundheitliche Probleme den Leidensdruck ins Unermessliche wachsen lassen. Erst dann gelingt es ihnen, ihre Scham zu überwinden und das Tabuthema anzusprechen. „Zum anderen ist oft die Vorstellung, ein Leben lang abstinent bleiben zu müssen, zu einschüchternd und augenscheinlich zu perspektivlos für Betroffene“, weiß Dr. Kiefer.

Frühes Eingreifen erleichtert die Therapie

Dr. Kiefer rät, bei den ersten Anzeichen einer Abhängigkeit zum Arzt zu gehen. „Wer sich an diesem Punkt entschließt, das Problem anzugehen, hat gute Chancen, eine Abhängigkeit zu vermeiden oder frühe Stadien beherrschbar zu machen“, ermutigt er. In dieser ersten Phase erübrigen sich meist spezialisierte medizinische Behandlungsmethoden wie etwa Medikamente. Außerdem sei eine abstinente Lebensweise noch nicht zwingend erforderlich. Stattdessen gelänge oft noch ein Übergang zu einem reduzierten Alkoholkonsum, so der Experte.

Wege aus der Alkoholabhängigkeit

Wer eine frühzeitige Behandlung anstrebt, wendet sich am besten an seinen Arzt oder eine Beratungsstelle. Telefonnummern finden sich im Telefonbuch und im Internet. Unter der Rufnummer 02 21 - 89 20 31 bietet etwa die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) persönliche Beratung und informiert über Hilfsangebote vor Ort. Eine zentrale Rolle bei der Beratung spielen das ärztliche Gespräch und eine intensive Beratung. „Im vertraulichen Gespräch mit fachkundigen Menschen kann gezielt herausgefunden werden, welche realistischen Veränderungsstrategien und weiteren Maßnahmen im individuellen Fall hilfreich sind“, erklärt Dr. Kiefer. Die Therapie richtet sich dann nach der Schwere der Erkrankung. Der Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit beginnt mit einer Einschränkung des Alkoholkonsums. Anzustreben sind maximal 24 g Alkohol pro Tag für Männer und 12 g für Frauen. Das entspricht zwei bzw. einem 0,3 l Glas Bier. Pro Woche sind zwei Tage ohne Alkohol einzuplanen.

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